Urknall in 140 Zeichen

Was sind Gravitationswellen? Wie explodieren Sterne? Warum sind Teleskope Zeitmaschinen? Wo andere Wissenschaftler seitenlange Abhandlungen schreiben, brauchen Marcus Chown und Govert Schilling nicht mehr als 140 Zeichen. Denn: Die Wissenschaftsjournalisten twittern über das Universum. In ihrem Buch „Das Universum twittern – Kurze Sätze über große Ideen“ beantworten sie 140 komplexe Fragen aus der Astronomie in wenigen Sätzen – ganz nach dem Motto: Bloß kein Wort zu viel. Kurz und knapp, verständlich für jeden. Deswegen macht es auch so viel Spaß, dieses Buch zu lesen. Nicht in einem Atemzug, dafür kommen die Tweets zu abrupt daher. Aber immer mal wieder zwischendurch. Morgens kurz verstehen, wie ein Regenbogen funktioniert. Abends noch schnell das heliozentrische Weltbild verinnerlichen.

Entstanden ist die Idee für das Buch auf Aruba in der Karibik. Als die Autoren sich während der totalen Sonnenfinsternis von 1998 kennenlernten. Und sich direkt wieder aus den Augen verloren. Erst bei Twitter fanden sie sich wieder. Schilling fasste astronomische Fakten in Tweets zusammen. Und Chown fand die Idee so genial, dass daraus ein Twitter-Dialog entstand. Die Basis für das Buch und gleichzeitig auch die Krux. Denn so ganz stimmt das mit den 140 Zeichen nicht. Jede Frage beantworten die Autoren in mehreren Absätzen von je 140 Zeichen, wie in einem Dialog. Pro Kapitel benötigen sie im Schnitt zehn Absätze. Aber nur, weil sie mehr in die Tiefe gehen. Um Sonnenflecken zu erklären, reichen sogar 133 Zeichen: „Sonnenflecken sind kurzlebige dunkle Stellen auf der hellen Oberfläche. Dunkler sind sie, weil sie viel kälter als ihre Umgebung sind.“ Damit ist der Sonnenfleck erklärt. Die weiteren Absätze dienen lediglich der genaueren Betrachtung, für die die Autoren letztendlich mehr Zeichen benötigen, als Twitter gestattet.

Aber dennoch: Jeder Absatz für sich ist lehrreich, vollgestopft mit Informationen. Gerade das macht das Buch so lesenswert. Und den Leser komplexe Fakten auf einfache Art und Weise näherbringt. Mittlerweile erlaubt Twitter 280 Zeichen – Zeit für einen Nachfolgeband? Obwohl ja wohl jeder in 280 Zeichen Quasare und Neutrinos erklären kann – oder nicht?

Markus Chown und Govert Schilling (2013): Das Universum twittern. Kurze Sätze über große Ideen. 

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