Raketenstarts in Deutschland – Ein Weltraumbahnhof für den Norden

Was haben Laage bei Rostock und die 7.000-Seelen-Gemeinde Nordholz gemeinsam? Sie liegen nicht nur im hohen Norden, sondern stehen auch zur Debatte für den ersten Weltraumbahnhof in Deutschland. Starten demnächst Raketen von der Nordsee?

Jeder kennt die großen Weltraumbahnhöfe in Französisch-Guyana in Kourou, Baikonur in Russland oder Cape Canaveral in Florida, von wo aus die großen Trägerraketen mit Satelliten, Raumschiffen und Raumsonden in Richtung All starten. Meist liegen solche Bahnhöfe in dünn besiedelten Gebieten am Äquator oder in Polnähe oder in der Nähe eines Ozeans, damit im Falle eines Fehlstarts oder durch abgetrennte Booster keine Gefahr für Bewohner besteht. Jetzt soll auch Deutschland einen Weltraumbahnhof bekommen das fordert zumindest der BDI.

Satelliten aus dem Schuhkarton

Natürlich werden von Ost- und Nordsee demnächst keine Ariane-Raketen mit neuen Rovern zum Mars starten. Dafür ist der Standort mehr als ungeeignet. Das weiß auch BDI-Präsident Dieter Kempf: „Wir wollen keine Ariane-Raketen von der Berliner Friedrichstraße aus starten. Ein kleiner Weltraumbahnhof ist wirtschaftlich sinnvoll für Deutschland. Den werden wir brauchen, da bin ich sicher.” Im Fokus des Projektes stehen kleine Satelliten, die bereits mit Miniraketen in einen Orbit gebracht werden können. Sogenannte Micro-Launcher könnten eine Nutzlast von bis zu 1.000 Kilogramm in eine polare Umlaufbahn bringen. Genug für kleine Satelliten, die teils sogar schon in einen Schuhkarton passen. 

Dieser Weltraumbahnhof im Miniaturformat hätte für Deutschland viele Vorteile. Die Satellitentechnik wird künftig immer wichtiger, etwa für das autonome Fahren, für die Telekommunikation oder für die Erdbeobachtung, um beispielsweise Waldbrände schnell zu detektieren. Anstatt die in Deutschland gebauten Satelliten erst in andere Länder exportieren und dabei bürokratische Vorgänge wie Ausfuhrgenehmigungen durchlaufen zu müssen, könnten die Forscher diese direkt von der Nordsee aus ins All schicken. Das würde nicht nur Zeit, sondern auch Verpackungs- und Transportkosten sparen. Ein kleiner Schritt für die Raumfahrt, aber ein großer für den Industriestandort Deutschland.

Wettbewerb im All stärken

Wirtschaftsminister Peter Altmeier hat bereits zugestimmt, die Bedingungen für einen möglichen Weltraumbahnhof in Deutschland zu prüfen und sagt: “Raumfahrt begeistert viele Menschen und sichert tausende Arbeitsplätze in Deutschland.” Der Markt jedenfalls würde sich freuen. In Deutschland gibt es einige Wettbewerber, die sich mit dem Bau von Micro Launchern beschäftigen, etwa Isar Aerospace aus München oder HyImpulse aus der Nähe von Heilbronn. Ob sich die deutsche Küste aber wirklich als Space Port eignet, ist immer noch umstritten. Spannend ist es aber allemal.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s