Astronomie bei den Maori

Als die Maori Neuseeland erreichten, fanden sie ein unbesiedeltes und wildes Land vor. Ihr Wissen über die Sterne half ihnen, sich mit den widrigen Umständen zu arrangieren.

Wann genau die Maori in Neuseeland ankamen weiß niemand so wirklich. Selbst die Maori selber können den Zeitraum nicht exakt beziffern, auch wenn sich viele Legenden um die polynesischen Gründungsväter und -mütter ranken. Historiker datieren die Ankunft der ersten Wakas (so nennen die Maori ihre Kanus) auf das 14. Jahrhundert. Fast 400 Jahre lebten die Maori alleine in dem anfangs auch für sie unbekannten Land und erschufen eine untrennbar mit Flora und Fauna verwobene Kultur – dann kamen die Briten und die Geschichte des modernen Neuseelands nahm seinen Lauf.

Mit te Punga bis nach Aotearoa

Die frühen Maori waren geniale Navigatoren. Anders hätten sie ihre Reise nach Aotearoa („Land der langen weißen Wolke“, der Maori-Begriff für Neuseeland) gar nicht überstehen können. Denn der Ursprung der Maori ist zwar ungewiss, muss aber auf irgendeiner polynesischen Südseeinsel liegen – und die sind alle mehrere hunderte Kilometer entfernt.

Mit ihren Wakas erreichten die ersten Maori Neuseeland

Um mit einem Waka eine solche Distanz über die hohe See bewältigen zu können, ist ein ausgeprägtes Verständnis der Himmelsmechanik notwendig. Vermutlich benutzten die Maori-Kapitäne das Sternbild Kreuz des Südens als Ankerpunkt am Himmel, da sich dieses Sternbild zwar bewegt, aber niemals untergeht. In der Sprache der Maori heißt dieses Sternbild passenderweise Te Punga – „der Anker“. Auch wir kennen ein solches zirkumpolares Sternbild von der Nordhalbkugel: Den großen Wagen.

Matariki – die Augen der Götter

Und auch in der neuen Heimat verließen die Maori sich auf ihr Wissen über die Sterne. Die gesammelten Erkenntnisse über den Himmel, also eine Mischung aus Astronomie, Astrologie und mythischen Legenden, nennt man Tātai Arorangi. Leider wurde das gesamte Sternenwissen nie aufgeschrieben oder kodifiziert, sondern lediglich von den Ältesten der einzelnen Iwis (Stämme) mündlich weitergegeben.

Die Plejaden mit Reflexionsnebel
Matariki kennt man in unseren Breitengraden als die Pleiaden


Viele Weisheiten sind natürlich trotzdem noch bekannt und die meisten davon betreffen die Formation der Pleiaden, die bei den Maori als Matariki bekannt sind. Matariki hatte nicht nur eine wichtige religiöse Bedeutung – die sieben Sterne galten den Maori als Augen der Götter – sondern bilden auch den Eckpunkt des Maori-Kalenders. Wenn Matariki im Juni kurz vor Sonnenaufgang am Horizont zu sehen ist, markiert dies den Neujahrstag für die Maori. Einige Iwis feiern das neue Jahr am ersten Vollmond nach dem Aufgang Matarikis und andere am ersten Neumond – so kann es vorkommen, dass die Neujahrsfeiern sich landesweit über mehrere Wochen erstrecken.

Auch der Mond spielte für die Maori eine gewichtige Rolle im Alltag. Anhand der Mondphasen entwickelten die Maori einen Kalender, der den Namen Maramataka trägt. Rakaunui, der Tag vor dem Vollmond, war einer der wichtigsten Daten des Kalenders, da nur an diesem Tag die Ernte ausgesät wurde. Die Maori glaubten, dass der Vollmond das Wasser in der Erde in Wallung bringt und dadurch für ein besseres Pflanzenwachstum sorge. Heute wissen wir, dass die Idee gar nicht so abwegig ist: Tatsächlich beeinflusst der Mond das Wasser auf der Erde durch seine Gezeitenkräfte.

Papa und Rangi – eine Ehe auf Distanz

Die wichtigste Sternengeschichte der Maori ist die von Papa und Rangi, zwei der bedeutendsten Götter. Rangi war der Gott des Himmels und Papa die Göttin der Erde. Die beiden waren ein Paar und seit Anbeginn der Zeit eng umschlungen. Ihre Kinder mussten zwischen den beiden aufwachsen, eingeengt durch die innige Umarmung. Eines Tages beschlossen die Söhne, dass es besser sei, die Eltern auseinander zu drücken, um mehr Platz zu schaffen.

Rangi und Papa sind eng umschlungen

Mit vereinten Kräften trennten sie Rangi von Papa – Himmel und Erde entfernten sich voneinander. Erst seit diesem Tag, so glaubten die Maori, befand sich die Erde unter uns, der Himmel über uns und dazwischen sehr viel freier Raum. Papa und Rangi konnten ihre Trennung nie ganz verkraften und so kommt es heute noch vor, dass Rangi bitterlich weint und seine Tränen als Tropfen vom Himmel fallen. Papa schüttelt sich manchmal so sehr vor Sehnsucht, dass es zu Erdbeben kommen kann.

Solche Geschichten, die nicht nur den Kosmos erklären sondern auch viel über das zwischenmenschliche Leben aussagen, haben die Maori sich noch zu viel mehr Sternen, Konstellationen und natürlich auch der Milchstraße ausgedacht. Es ist schade, dass so viel von dem Tātai Arorangi verloren gegangen ist. Doch in Neuseeland bilden sich immer mehr Initiativen das astronomische Wissen der Maori zu sammeln, aufzuzeichnen und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Noch mehr über Tātai Arorangi und die Astronomie der Maori erfahrt Ihr in diesem Vortrag von Tim Ruster im Planetarium Köln:

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