Beteigeuze: Supernova? Oder doch nicht?

Monster-Stern explodiert! Zweiter Mond am Himmel! Drastische Verdunkelung! In den letzten Tagen dominiert der Stern Beteigeuze die astronomischen Nachrichten. In einer Supernova soll der Stern demnächst explodieren. Was ist dran?

Beteigeuze ist ein wunderschöner Riesenstern im Wintersternbild des Orion. Und wenn man den Medien Glauben schenken möchte, dann wird dieser Stern eventuell in der nächsten Woche explodieren. Oder in 10 Jahren. Oder in 100. Man weiß es nicht so genau. Fest steht: Die Spekulationen überschlagen sich. Der Stern würde so hell werden, wie der Mond und mehrere Wochen alles überstrahlen. Aber wie es nun mal fast immer so ist, klingen die Schlagzeilen doch reißerischer, als es wirklich ist.

Beteigeuze – Gigant im Sternbild Orion

Wintersternbild Orion, oben links strahlt Beteigeuze

Beteigeuze, oder α Orionis, ist ein sogenannter Roter Überriese, also ein wirklich großer Stern, der bereits am Ende seines Lebens angekommen ist. Und das, obwohl er erst 10 Millionen Jahre alt ist. Ja, das ist jung in galaktischen Maßstäben. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist bereits 4,5 Milliarden Jahre alt und hat erst die Hälfte ihres Lebens hinter sich. Beteigeuze ist aber sehr viel größer als unsere Sonne. Der Stern hat den 1.000-fachen Durchmesser unserer Sonne, sie würde rund 1.000.000.000 Mal in Beteigeuze hineinpassen. Ein wahrer Gigant am Himmel. Und dadurch, dass er so viel größer ist als andere Sterne, brennt er extrem heiß und verbraucht seinen Vorrat an Wasserstoff viel schneller, fast schon verschwenderischer, als es kleinere Sterne wie etwa die Sonne tun. Deswegen ist sein Leben auch schneller vorbei, weil ihm ganz einfach schneller der Saft ausgeht. Wer mit einem dicken SUV über die Autobahn düst, muss vermutlich auch schneller tanken als ein kleiner Ford Fiesta, der mit 50 über die Landstraße tuckert.

Roter Überriese Beteigeuze

Beteigeuze verdunkelt sich

Bisher zählte er zu den hellsten Sternen an unserem Nachthimmel. Allerdings hat er in den letzten Wochen extrem an Leuchtkraft eingebüßt, was die Spekulationen anheizt. Denn: Ein Stern, der in einer Supernova explodieren wird, verdunkelt sich zunächst. Ist der Vorrat an Wasserstoff für die Kernfusion aufgebraucht, dehnt sich ein Stern zunächst aus. Das hat Beteigeuze bereits getan. Er wurde etwas kälter und leuchtete fortan rötlicher. In den letzten Tagen hat er zudem an Helligkeit eingebüßt, was für den nächsten Schritt sprechen könnte. Nach der Ausdehnung ziehen sich Sterne immer weiter zusammen und leuchten dunkler. War Beteigeuze vorher noch der siebthellste Stern am Nachthimmel, belegt er jetzt Platz 21. Solche Helligkeitsschwankungen deuten aber nicht zweifelsfrei auf eine Supernova hin. Beteigeuzes Helligkeit ist schon immer geschwankt, mal war der Stern dunkler, mal wieder heller. Aber so einen starken Abstieg der Helligkeit, wie er momentan stattfindet, hat man in jüngster Zeit nicht beobachten können (in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts mag er mal annähernd schwach geleuchtet haben).

So hell wie der Vollmond?

Würde der Helligkeitsabstieg für ein Zusammenziehen des Sterns sprechen, stünde uns ein wahrhaftiges Spektakel am Himmel bevor. Manche sagen, dass der Stern so hell wird, wie der Vollmond. Andere sagen, dass so eine Supernova auch die gesamte Galaxie überstrahlen könnte. Wir könnten Beteigeuze dann sogar am Tag beobachten, so hell würde er strahlen. Gut möglich ist aber auch, dass die Verdunkelung auf die ohnehin existierenden Helligkeitsschwankungen zurück zu führen ist. Dann würde der Stern in den nächsten Monaten wieder heller strahlen und alle Aufregung war umsonst.

Sollte er sich aber weiterhin verdunkeln, dann könnte tatsächlich etwas wirklich Besonderes bevorstehen. Denn einen sterbenden Stern „live“ (der Stern ist 600 Lichtjahre weit entfernt, also wirklich live zuschauen können wir nicht) zu beobachten, das gab es schon lange nicht mehr. Die letzte Supernova in unserer Milchstraße fand 1680 statt, wurde aber nicht beobachtet, 1604 hat Kepler noch eine beobachtet und 1572 Tycho Brahe. Seitdem war nicht viel los da oben. Wenn jetzt also eine Supernova im Orion stattfinden würde, wäre das wahrhaftig ein Jahrhundertereignis, das unseren Nachthimmel für immer verändern würde. Das Sternbild Orion würde es dann so nicht mehr geben. Das wäre natürlich traurig, immerhin ist der galaktische Krieger eines der schönsten Sternbilder am Himmel und ein Orion ohne linken Schulterstern ist eben kein echter Orion. Kleiner Trost: Die beobachtende Astronomie hat dann ein neues Objekt. Denn dort, wo heute noch der Stern leuchtet, wird künftig ein Supernovaüberrest zu sehen sein, der sich in puncto Schönheit sicherlich nicht verstecken muss.

Mehr Infos zu Beteigeuze erhaltet Ihr in diesem Clip von Astro-Comics TV:

Bildnachweis:  ESO, L. Calcada, John Gauvreau, Xavier Haubois

 

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Sehr schöner und interessanter Artikel. Danke dir dafür! LG Ben von Black Level

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s