Kotor in Montenegro: Im südlichsten Fjord Europas

Bergdörfer, in denen der Tourismus erst so langsam erwacht, altehrwürdige Hafenstädte mit uralten Häusern, Salbei am Wegesrand und Regen jeden Tag – so in etwa sieht eine 10-tägige Reise durch Montenegro im Mai aus. Begonnen hat die Reise nicht etwa in der Hauptstadt Podgorica. Der Flug ging nach Dubrovnik in Kroatien, von dort begann die spektakuläre Reise mit dem Bus über die Grenze, hinein ins kleine Land am Balkan, das einige Überraschungen parat hält. Erster Stopp: Kotor.

Wer denkt, Landschaften können sich nicht von jetzt auf gleich komplett verändern, ist noch nie von Dubrovnik nach Kotor gereist. Direkt an der Grenze ändert sich die Natur schlagartig. War das Land in Kroatien noch karg, nicht wild bewachsen, heißt einen der kleine Grenzort auf montenegrinischer Seite mit einem wahren Urwald willkommen. Dicht bewachsene Wälder, in denen sich der Nebel verfängt, lassen einen verwundert an den Film Jurassic Parc denken – wie kann sich die Flora in so kurzer Zeit so schnell verändern? Schuld daran sind die Insel, die Kroatien vor der Küste liegen hat, die Montenegro aber fehlen. In Kroatien regnen die Wolken meist schon über den Inseln ab, in Montenegro schafft es der Regen bis ans Festland und schenkt der Flora damit das nötige Wasser. Das war die erste Überraschung.

kotor montenegro 2

Reiseroute für Montenegro

Unsere spontane Reiseroute sah wie folgt aus: Dubrovnik – Kotor – Niksic – Ostrog – Niksic – Zabljak – Podgorica – Cetinje – Kotor – Dubrovnik

Fjordlandschaften bei Kotor

Dass mich Montenegro überraschen würde, hätte ich nicht so recht erwartet. Irgendwie waren meine Erwartungen an das kleine Land relativ gering. Doch direkt am nächsten Stopp wurde ich eines besseren belehrt. Kotor ist ein richtiges Schätzchen. Und wer mit dem Bus durch die Bucht von Kotor fährt, denkt sofort an die nördlichen Fjorde Norwegens oder den südlichen Milford Sound in Neuseeland. Ein großer, verzweigter Meeresarm schlängelt sich in unendlich vielen Windungen durch die hohen Granitberge ins Landesinnere. 

kotor montenegro festung

Hier, an der Küste in Montenegro ist alles grün, wie in einem dichten Dschungel stehen Bäume dicht an dicht an den Hängen. Die hohen Granitberge wirken im abendlichen Gewitter fast schon bedrohlich, wie sie da steil ins Wasser hinab fallen, die Gipfel in tiefe Wolken gehüllt. Der Bus zwängt sich durch pittoreske Dörfer mit uralten Häusern aus hellem Stein und roten Dächern, verfallene Bauten machen Platz für verrottete Schuppen und Betonhotels. Rostige Sonnenliegen stehen verwahrlost am regnerischen Ufer, hier hat schon lange keiner mehr gelegen. Eine Schaukel bewegt sich langsam hin und her. Bojen schaukeln traurig auf den windigen Wellen auf und ab und warten vergeblich auf das nächste Seegelboot, das hier vor Anker gehen will. In der Mitte der Bucht eine kleine Kirche mitten im Wasser, heute wird sich kein Pilger mehr dorthin verirren. Mystischer und überraschender hätte die Ankunft im südlichsten Fjord Europa nicht sein können. 

kotor montenegro altstadt

Ob es damals den ersten Siedlern, die sich hier niederließen wohl auch so ergangen sein mag? Abgesehen von den Betonbauten vielleicht, aber womöglich haben schon die ersten Illyrer damals die Lage so sehr fasziniert, dass sie hier bleiben wollten. Römer siedelten sich hier an, Mongolen stürmten den Ort im 13. Jahrhundert und am Ende war die Konkurrenz der neu gegründeten mediterranen Hafenstadt mit Venedig und Dubrovnik so groß, dass die Venezianer Kotor in Montenegro kurzerhand für sich einnahmen, sobald das Serbische Reich verfiel. 

kotor montenegro altstadt platz

Heute versteckt sich hinter jeder Ecke in der Altstadt von Kotor ein Stück dieser ereignisreichen Geschichte und es macht Spaß, ziellos durch die engen Gassen zu schlendern und sich ein bisschen in die Vergangenheit hineinzudenken. Und wer sich die Mühe macht, bis zur Festung hinter der Stadt hinauf zu klettern, erhält einen fabelhaften Überblick – nicht nur über vergangene Zeiten, sondern auch über venezianische Paläste, romanische Kirchen, mittelalterliche Stadtmauern und mit den Kreuzfahrtschiffen auch jene Zeugen, die zeigen, dass Kotor längst zu den touristischen Hauptattraktionen in Montenegro gehört. Kein Wunder, die alte Hafenstadt verzaubert und überrascht jeden, der durch die alten Mauern tritt – zurecht wurde das Städtchen zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s