Schwarzes Loch der Superlative: TON 618

Alle Schwarzen Löcher beeindrucken durch extreme physikalische Eigenschaften. Doch ein Gigant übertrifft sie alle: TON 618, das schwerste bekannte Schwarze Loch.

Schwerkraft ist ein selbstverständlicher Teil unseres Lebens. Ohne die gewohnte Anziehungskraft unserer Erde wäre unsere Existenz nicht möglich und schon, wenn die Gravitation des Planeten sich minimal verändern würde, hätte dies gravierende Auswirkungen.
Im kosmischen Vergleich ist die Schwerkaft der Erde aber nahezu lachhaft. Schon die Masse der Sonne ist ungefähr 333.000 mal größer als die unseres Heimatplaneten – nur durch dieses ungeheure Gewicht und die daraus resultierende Schwerkraft ist sie in der Lage, das ganze Sonnensystem von ihrer zentralen Position heraus in Bann zu halten.

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Durch ihre Schwerkraft hält die Sonne die Himmelskörper des Sonnensystems in festen Bahnen

Die Schwerkraft ist also eines der bestimmenden Prinzipien unseres Kosmos. Als unangefochtene Schwergewichte der Gravitation gelten vielen Menschen Schwarze Löcher. Dabei ist es gar nicht wahr, dass Schwarze Löcher zwingend sehr schwer sein müssen. Entscheidend ist nur, dass ihre Masse genügend verdichtet ist, um einen sogenannten Ereignishorizont zu formen – die Grenze, hinter der die Gravitation so stark wird, dass selbst das Licht sich ihr nicht mehr entziehen kann. So könnte beispielsweise auch unsere Erde zu einem Schwarzen Loch werden, wenn wir sie auf eine Größte von 8,7 Millimetern komprimieren würden.

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Selbst unsere Erde könnte zu einem Schwarzen Loch werden, wenn man sie genügend komprimieren würde…

Solche leichten Schwarzen Löcher – man nennt sie auch primordiale Schwarze Löcher – sind aber die absolute Ausnahme, einige Forscher halten ihre Existenz sogar für fragwürdig. Der absolute Großteil der Schwarzen Löcher besitzt viel mehr eine gigantische Masse. Und ein Exemplar übertrifft sie alle: TON 618.

Entdeckt wurde TON 618 schon im Jahre 1957, als man auf der Suche nach weißen Zwergsternen war. Man ahnte damals noch nicht, dass es sich bei dem neu entdeckten Objekt um ein gigantisches Schwarze Loch handelt und ordnete es daher einfach als weiteres Objekt in den Katalog der mexikanischen Sternwarte Tonantzintla, in der es entdeckt wurde, ein – daher der Name TON 618.

Das Tonantzintla Observatorium in Mexiko

Je besser die Teleskope wurden, desto mehr Erkenntnisse sammelt man über TON 618. Heute weiß man: Das Ungetüm bringt sage und schreibe 66 Milliarden Sonnenmassen auf die kosmische Waage. Zum Vergleich: Das supermassive Schwarze Loch Sagittarius A*, das sich in der Mitte unserer Galaxis befindet, wiegt gerade mal 4,1 Millionen mal so viel wie die Sonne. Das bedeutet, dass TON 618 fast 16.000 mal schwerer ist als das Schwarze Loch in der Mitte der Milchstraße.

Da überrascht es nicht, dass TON 618 mit seiner Gravitation einen immensen Einflussbereich besitzt. Würde ein Mensch sich dem kosmischen Ungetüm nähern, würde er schon in einer Entfernung von 1.300 Astronomischen Einheiten den Ereignishorizont überqueren, hinter dem Licht nicht mehr nach außen dringen kann. Eine Astronomische Einheit bezeichnet den mittleren Abstand zwischen der Erde und der Sonne, also 149.597.870 Kilometer.

TON 618 ist ein sogenannter Quasar. Das bedeutet, dass sich außerhalb seines Ereignishorizontes so viel Materie in einer Akkretionsscheibe sammelt und aneinander reibt, dass immense Energie erzeugt wird, die dann wiederum in den Weltraum geschossen wird. Diese Energieausbrüche ermöglichen es uns, Schwarze Löcher überhaupt zu beobachten.

TON 618 schießt immense Energiewellen in den Kosmos

Die Energie, die TON 618 aussendet, ist so extrem, dass sie die gesamte Galaxie, in dessen Zentrum sich das Schwarze Loch befindet, überstrahlt. Für irdische Astronomen ist also nur TON 618, nicht aber seine Galaxie auszumachen. Das Licht des Quasars, das wir auf der Erde empfangen, war übrigens ganze 10,4 Milliarden Jahre auf dem Weg zu uns – wir sehen das Objekt also auch so, wie es vor Milliarden Jahren aussah. Ob TON 618 überhaupt noch existiert, lässt sich daher nicht mit Gewissheit sagen. Da Schwarze Löcher aber unfassbar langlebig sind, spricht einiges dafür, dass TON 618 nach wie vor seine gravitativen Umtriebe auslebt.

Noch mehr über dieses gigantische Schwarze Löcher erfahrt Ihr in diesem Video von Astro-Comics TV:

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