Der Sternenhimmel im Oktober: Planeten-Pärchen und Heldengeschichten

Der Herbst ist da und mit ihm auch endlich wieder die romantischste Liebesgeschichte am Himmel. Außerdem können wir zwei Planetenpaare ganz nah beieinander beobachten und der rote Planet bietet uns ein absolutes Highlight. Zudem: Sternschnuppen und ferne Galaxien. Das sind unsere Favoriten am Sternenhimmel im Oktober.

Noch immer strahlt das Sommerdreieck, bestehend aus Schwan, Leier und Adler am frühen Abend am Firmament. Doch sobald diese immer weiter gen Westen ziehen, steigen im Osten jene Sternbilder auf, die eine ganz besondere Geschichte erzählen: Das bekannte Herbstviereck Pegasus, das Himmels-W Kassiopeia, Andromeda und Perseus. Die mythologische Geschichte dahinter verursacht Gänsehaut, daher hier einmal kurz niedergeschrieben – in stark gekürzter Form natürlich, es gibt ja noch so viel anderes am Himmel zu entdecken.

Heldengeschichten am Sternenhimmel

Kassiopeia ist eine äthiopische Königin und bezeichnet sich als die schönste Frau im ganzen Land, womit sie sich ziemlich viel Ärger einhandelte. Weil etwa die Töchter des Poseidon gar nicht einverstanden waren mit dieser Aussage, petzten sie bei ihrem Vater. Dieser entsandte ein tödliches Seeungeheuer, Chaos brach aus im Königreich. Kassiopeia musste daraufhin, nach einer Orakel-Befragung, ihre Tochter Andromeda opfern, die an einen Felsen am Meer gekettet wurde und darauf warten sollte, dass das Seeungeheuer sie verschlingt. Ein Held aus Athen, Perseus, bekam Wind von der ganzen Sache und machte sich auf den Weg, um Andromeda zu retten. Unterwegs besiegte er die Medusa, das geflügelte Pegasus entsprang ihrem Körper (was sonst?) und so ritt und flog er zu Andromeda – den Kopf der Medusa im Schlepptau. Am Felsen angekommen, besiegte er das Seeungeheuer mit dem Kopf der Medusa, befreite Andromeda und sie flogen glücklich von dannen. Hach, so eine romantische und heldenhafte Tat, die wir da jeden Abend beobachten dürfen. Wie gut, dass die alten Griechen noch kein Netflix hatten und ihre Fantasie in Märchengeschichten am Sternenhimmel stecken konnten.

Die Herbststernbilder Pegasus, Kassiopeia, Andromeda und Perseus

Ein Nebel, der keiner ist

Wirklich erstaunt bin ich immer wieder, wenn ich mir die Stelle am Himmel zwischen Kassiopeia und Andromeda anschaue. Es scheint, als würde Andromeda ihren Arm in Richtung Himmel heben und auf etwas zeigen: Auf das einzige Objekt, das sich außerhalb der Milchstraße befindet und das wir noch mit bloßem Auge sehen können: Die Andromedagalaxie liegt mehr oder weniger genau zwischen dem Stern Mirach und Shedar in der Kassiopeia. Früher dachten die Astronomen, dass es sich dabei um eine Art Nebel handelt – wie sollten sie auch wissen können, dass es eine andere Sterneninsel mit Milliarden von Sternen ist?

Für mich ist das immer absolut faszinierend, wenn man die ferne Galaxien in Herbstnächten beobachten kann. Sie ist 2,5 Millionen Lichtjahre weit weg! Zur Erinnerung: Eine LichtSEKUNDE sind schon 300.000 Kilometer. Also unfassbar weit weg! Und trotzdem können wir das Licht noch mit bloßem Auge sehen. Ich weiß noch, wie ich einst in den ecuadorianischen Anden gezeltet habe und plötzlich die Andromedagalaxie hell am Himmel zu sehen war. Selten habe ich mich so erhaben und gleichzeitig winzig klein gefühlt. Ein toller Anblick, also schaut raus zum Fenster und versucht auf jeden Fall, die Andromedagalaxie zu finden.

Vom Stern Mirach im Sternbild Andromeda einfach nach oben wandern. Dann findet man die Andromeda-Galaxie.

Planeten-Pärchen und ein wahrer Star

Kurz nach Sonnenuntergang in Richtung Süden zeigen sich uns die beiden großen Gasplaneten Jupiter und Saturn, die im Sternbild Schütze stehen und sich in den nächsten Wochen immer weiter annähern werden, bis sie die sogenannte große Konjunktion erreichen.

Jupiter und Saturn im Sternbild Schütze

Obwohl sie schon ein toller Anblick sind und schon sehr früh am Abend leuchten, ist der wahre Star am Abend der rote Planet Mars, der im Sternbild der Fische steht. Im Oktober erreicht der Mars den geringsten Abstand zur Erde, nur 62,1 Millionen Kilometer. Er steht in Opposition zur Sonne und ist die ganze Nacht über wunderbar zu beobachten. Sein Auftritt wird erst abgelöst, wenn die Venus sichtbar wird. Das ist aber erst in der zweiten Nachthälfte der Fall, wenn sie als sogenannter Morgenstern sichtbar wird. Bis dahin bleibt der Mars die Nummer 1 am Firmament.

Mars mit seinen beiden Monden Deimos und Phobos

Zu guter Letzt verzaubern uns im Oktober auch die Draconiden – ein Sternschnuppenstrom, der seinen Radianten im Sternbild Drache hat. Verantwortlich für den Meteorschauer ist übrigens der Komet 21p/Giacobini-Zinner, dessen Bahn die Erde im Oktober kreuzt. Dabei fallen die Überbleibsel des Kometen durch die Atmosphäre der Erde und verglühen. Das Maximum an Sternschnuppen wird für den 8. Oktober erwartet – also Augen offen halten!

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