Abenteuer Lipari: Inselhüpfen im Mittelmeer

Fauchende Lavafontänen, ätzende Schwefeldämpfe, endlose Wanderwege durch duftende Eukalyptuswälder und Olivenhaine und ein glasklares Wasser, das überall zum Schnorcheln einlädt: Die Liparischen Inseln waren auf unserer Sizilienreise die größte Überraschung. Ein kleines maritimes Juwel mitten im Mittelmeer, das sich am besten per Inselhopping erkunden lässt. 

Als der Motor des Schnellbootes verstummt und der Kapitän uns elegant bis zum hölzernen Steg manövriert, hört man sie deutlich, die Geräuschkulisse der Inselwelt: Die Möwen kreischen und streiten sich um die Fischreste unter den Kuttern. Fischer stehen herum, manche rauchen und plaudern, andere schreien jedem Neuankömmling die Angebote des Tages entgegen. Holzbuden drängen sich aneinander, allesamt zugekleistert mit bunten Plakaten, auf denen Bootsausfahrten und Trekkingtrips angeboten werden. Vor ihnen: ein paar Touristen, die mit den Guides um den besten Preis feilschen. Die Wellen plätschern sanft gegen die bunten Fischerboote. 

Sieben kleine Eilande

Wer auf Lipari ankommt, hört nicht nur sein Abenteuerherz höher schlagen. Er fühlt sich plötzlich auch ganz weit weg vom Rest der Welt. Lipari, das ist eine winzige Insel nördlich von Sizilien. Sie gehört zu den Liparischen Inseln, sieben bewohnte Eilande im Mittelmeer mit rund 14.000 Einwohnern. Vulcano, Lipari, Salina, Stromboli, Panarea, Alicudi und Filicudi sind Teil einer Vulkankette und tauchten vor langer Zeit nach und nach aus dem Meer auf. Noch heute ist die vulkanische Aktivität auf den Inseln zu spüren – sei es durch glühende Lavafontänen auf Stromboli oder heiße Schwefeldämpfe auf Vulcano. 

Es ist heiß auf Lipari, obwohl schon Ende September ist. Die Luft ist angenehm hier draußen auf dem Meer viele Kilometer vom italienischen Festland entfernt. Wir schlendern mit unseren Rucksäcken vom Hafen zu unserer Wohnung, die sich mitten im dichten Gassenlabyrinth der kleinen Hauptstadt der Insel versteckt. Schon 5000 Jahre vor Christus wurde hier auf der Insel ein reger Handel betrieben. Der Obsidian, ein vulkanisches Gestein, verwandelte Lipari zu einem der wichtigsten Handelszentren der Region. 

Lipari verzaubert

Heute sind vor allem frischer Fisch und kalter Malvasia die Verkaufsschlager. Restaurants, Bars, Bäckereien, Supermärkte und Outdoor-Geschäfte reihen sich an der gepflasterten Hauptstraße entlang und sorgen für ein geschäftiges Treiben. In den schmalen Gassen links und rechts spielen Katzen neben Sukkulententöpfen. Zwischen den Fenstern hängt bunte Wäsche an einer Leine. Hinter Palmen und Kakteen versteckt finden wir unsere Wohnung in einem alten Haus aus hellen Steinen, legen unsere Rucksäcke ab, ergattern noch schnell ein leckeres Sandwich und wandern ein paar Kilometer hinauf zum alten Observatorium – eine Sternwarte auf einer kleinen Mittelmeerinsel? Weit gefehlt, tatsächlich handelt es sich bei dem Osservatorio um ein geografisches Institut, das die vulkanischen Aktivitäten im Auge behält. Aber enttäuscht wurden wir keineswegs.

Oben angekommen sind wir völlig überwältigt von dem tollen Ausblick: Direkt vor uns liegt die Insel Vulcano. Der große Vulkankrater ragt bedrohlich über das Eiland hinaus. Dampfende Schwefelsäulen steigen an den Kraterrändern empor. Eine weiße Wolke schwebt über dem Schlund. Am Fuße des Vulkans erkennt man den Hafen von Porto di Levante, die grünen Olivenhaine der Insel und den schwarzen Sandstrand. Auf der anderen Seite unseres Aussichtspunkts: die Steilklippen von Lipari und unten das ruhige Meer, auf dem ein paar Segelboote ihre Spuren hinterlassen. Wir wagen uns nah ran an die Klippen, blicken hinab und treten ehrfürchtig ein paar Schritte zurück. Die Sonne geht fast unter und bei Oliven und Sandwiches vergeht der erste Tag auf der Insel viel zu schnell.

Vulcano, wir kommen!

Nach einem typisch italienischen Espresso auf unserer Dachterrasse düsen wir am nächsten Morgen per Schnellboot auf die Insel Vulcano. Uns begrüßt ein wirklich fast nicht zu ertragender Schwefelgeruch. Kein Wunder, die Schlammbäder befinden sich direkt hinter dem Hafen. Wir machen uns schleunigst aus dem Staub und erreichen nach wenigen Metern auf der Hauptstraße den Wanderweg zum Vulkankrater hinauf. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen, nur ganz oben an der Kante können wir ein paar andere Wanderer erkennen. Wir stapfen durch den schwarzen Sand. Unsere Füße sinken tief hinein. Es ist anstrengend, einen Vulkan zu erklimmen. Die Sonne scheint erbarmungslos. Die Bäume sind teils bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und bieten keinen Schatten. 

Aber die Anstrengung lohnt sich. Der Blick in den Krater ist faszinierend und aufgrund der Schwefelsäulen atemraubend. Vom Schwefel vergilbte Steine liegen überall herum, hier und da dampft es. Und es stinkt. Es stinkt nach faulen Eiern, sodass es uns schon bald wieder ins Dorf zurück verschlägt. Noch schnell ein Bad am schwarzen Strand nehmen, die fast schon tot wirkende Unterwasserwelt beim Schnorcheln erkunden, beim Sonnenuntergang von Mücken zerfressen werden und bei kaltem Bier und Smokey-Songs in der Hafenbar auf die letzte Fähre des Tages warten.

Bestes Granite auf Salina

8 Uhr morgens, Espresso, Sandwich, runter zum Hafen. Der Tag fängt genauso an wie gestern. Nur, dass es heute nach Salina geht, der grünsten aller Inseln. Vom Hafen aus wandern wir die Küstenstraße an weißblauen Häusern entlang in das kleine Dorf Lingua. Hier soll es das beste Granite geben – zuckersüßes Wassereis aus dem Becher. Bei Da Alfredo werden wir fündig, schlagen uns die Bäuche mit Eis und mit frischem Thunfisch belegte Sandwiches voll. Die Wanderung muss danach ausfallen. Viel zu faul sind wir an diesem Tag. Wir fläzen uns hinter dem alten Leuchtturm an einen Kiesstrand und machen einfach mal – nichts. Stundenlang liegen wir hier. Beobachten die Fähren und die Wellen. Gehen schwimmen. Essen die Reste der Sandwiches. Und gönnen uns zum Abschluss noch ein Granite – weil’s so anstrengend war, versteht sich.

Bootstour nach Panarea und Stromboli

Panarea und Stromboli entdecken wir mit einer organisierten Bootstour. Frühmorgens brechen wir mit ein paar anderen Abenteuerlustigen auf, erkunden die Insel Panarea, auf der sich gerne die Reichen per Helikopter absetzen lassen und auf den Dachterrassen der weißen Häuser in der Sonne brutzeln. Wir erkunden verschiedene Tauchspots, schwimmen im türkisblauen Wasser und stoppen schließlich vor der Insel Stromboli. Der gleichnamige Vulkan qualmt bedrohlich. Nach einem kurzen Aufenthalt auf dem Eiland fährt unser Boot schon weiter dem Sonnenuntergang entgegen. 

Als die Nacht anbricht und es dunkel wird, werfen wir den Anker direkt vor der Sciara del Fuoco. Der Hang ist bedeckt mit erkalteter Asche. Es kracht gewaltig im Schlund und wenige Sekunden nach dem Donner bricht eine Lavafontäne aus dem Krater empor. Es zischt und rumpelt, als die Lava dampfend auf den Hang und ins Meer hinab fällt. Unsere Sinne sind in der Dunkelheit gespannt wie ein Flitzebogen: Wir sind ehrfürchtig still, starren gebannt auf die glühenden Funken, lauschen dem Vulkan, zittern vor Kälte und Aufregung. Die Wellen schwappen sanft gegen unser Boot. Über uns funkelt ein gewaltiger Sternhimmel. Es ist schon eine einmalige Erfahrung, nachts auf dem Meer zu schaukeln, dem Spektakel eines aktiven Vulkans beizuwohnen und nichts um sich herum zu wissen außer Meer und Sterne. Wie schon bei unserer Ankunft auf den Liparischen Inseln fühlten wir uns auch in diesem Moment wieder ganz weit weg vom Rest der Welt. 

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