Riesenvirus in der Tiefsee entdeckt

Nach den letzten Monaten der Pandemie klingt diese Meldung etwas beunruhigend: Riesige Viren wurden am Boden des Marianengraben gefunden. 

Der Marianengraben ist der beeindruckendste Tiefseegraben unseres Planeten. Zwischen der philippinischen und der pazifischen Kontinentalplatte erstreckt er sich bis zu elf Kilometer in die Tiefe. Damit gehören die Tiefen des Marianengrabens zu den unerforschtesten Orten unserer Erde. Die tiefste Stelle der Weltmeere liegt im Marianengraben, auch wenn es Streit darum gibt, welche Stelle das denn nun genau ist. Es gibt mehrere Anwärter, die sich alle nur um ein paar Meter unterscheiden. Die beiden Favoriten für die tiefste Stelle sind das Challengertief mit einer Tiefe von 10.949 Metern und das Witjasftief-1 mit einer Tiefe von 11.034 Metern. Es gibt bei beiden Messungenauigkeiten von circa vierzig Metern, weswegen eine genaue Bestimmung der tiefsten Stelle noch nicht möglich ist.

Der Marianengraben liegt zwischen der philippinischen und der pazifischen Kontinentalplatte

Der Marianengraben ist vor allem im Hinblick auf die Flora und Fauna ein spannender Ort. Denn auch in diesen unvorstellbaren Tiefen existiert noch Leben. Spannend ist, dass viele Tiere dort unten viel größer sind als ihre Verwandten weiter oben in den Ozeanen. Dieses Phänomen bezeichnet man als Tiefseegigantismus. 

Nun hat man herausgefunden, dass dieser Tiefseegigantismus nicht nur Krebse und Fische betrifft, sondern scheinbar auch Viren. Ein chinesisches Forscherteam hat Sedimente untersucht, die mit Hilfe eines Tiefseeroboters aus der Nähe des Challengertiefs, also aus einer Tiefe von knapp 11.000 Metern entnommen wurde, und fanden darin Riesenviren. Die Forscher züchteten mehr als zweitausend Stämme von Mikroorganismen aus der Tiefseeprobe in einer Hightech-Laborumgebung. Nach eigenen Angaben gelang es ihnen aber nicht, einen der Riesenviren wiederzubeleben. Bei den Riesenviren handelt es sich um sogenannten Mimi-Viren. Die gibt es grundsätzlich auch an der Erdoberfläche und man hat sie erst 1992 bei Ausbruch einer Lungenentzündungs-Epidemie entdeckt. Man hat aufgrund ihrer immensen Größe damals nicht unmittelbar erkannt, dass es sich um Viren handelt. Mit ihren haarigen Fasern und Körpern, die bis zu 700 Nanometern breit sein können, sind sie manchmal sogar mit bloßem Auge zu erkennen. 

Mimi-Viren können erstaunlich groß werden

Das Mimivirus fasziniert Wissenschaftler nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Größe sondern auch wegen seines außergewöhnlich komplexen Genoms mit mehr als 1,2 Millionen Basenpaaren – das ist mehr als jedes andere bekannte Virus. Die Genomsequenz des Coronavirus ist zum Beispiel vierzig Mal kürzer. 

Sind diese Tiefsee-Riesenviren gefährlich? In einigen Experimenten waren die Mimi-Viren zwar in der Lage, Gewebeschäden bei Säugetieren zu verursachen, aber bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass sie dem Menschen wirklich erheblich schaden können. Vielleicht handelt es sich sogar um freundliche Viren. Das chinesische Forschungsteam hat eine spannende Hypothese aufgestellt: Das Mimi-Virus könnte den Organismen in der Tiefsee helfen, sich besser an die eigentlich lebensfeindlichen Bedingungen anzupassen. Es könnte seinen Wirten wie Pilzen und einzelligen Tieren einen Boost verpassen, indem es beispielsweise den Abbau der aufgenommenen Kohlenhydrate beschleunigt.

Für Tiefseebewohner wie den Dumbo-Tintenfisch könnten Viren hilfreich sein

Ein schnellerer Stoffwechsel und ein schnelleres Wachstum könnten den Wirten – und damit auch ihren Viren – einen Wettbewerbsvorteil im Challengertief verschaffen, wo die Nährstoffe knapp sind und der evolutionäre Wettbewerb der wenigen widerstandsfähigen Bewohner brutal ist. Das heißt: Während Viren ihre Wirte normalerweise schamlos ausbeuten, könnte sich diese parasitäre Beziehung in einer extremen Umgebung wie dem Marianengraben ändern. 

Mehr Informationen zu den Tiefsee-Riesenviren erhaltet Ihr in diesem Video von Astro-Comics TV:

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