Etwas bewegt sich auf der Venus…

Bislang hielt man die Venus für einen tektonisch toten Planeten – eine neue Entdeckung spricht indes eine ganz andere Sprache.

Die NASA erforschte den Planeten Venus im Jahre 1990 mit der Sonde Magellan. Am 10. August 1990 schwenkte die Raumsonde in einen Orbit um unseren Nachbarplaneten ein und erforschte diesen für knapp vier Jahre. Entstanden ist damals eine Radarkarte der Venus, die anhand der Daten von Magellan erstellt wurde – und diese Karte ist bis heute die absolute Standardkarte der Venusoberfläche.

Venus may have been ′Earth-like′ until climate disaster | News | DW |  24.09.2019
Die Radarkarte der Sonde Magellan ist bis heute die Standardkarte der Venus

Magellan war auch in anderer Hinsicht ein voller Erfolg. Die NASA testete während der Mission erstmalig eine sogenannte Atmosphärenbremsung, auf Englisch auch Aerobraking genannt. Hierbei wurde die Geschwindigkeit der Raumsonde durch Eintauchen in die dichte Venusatmosphäre gezielt gebremst. Als Nebeneffekt konnte man währenddessen auch noch Daten über die Zusammensetzung der Atmosphäre sammeln. Bei so einer erfolgreichen Mission wie Magellan lohnt es sich, noch ein mal die damals gesammelten Daten zu studieren. Genau das hat sich auch der Planetenforscher Paul Byrne von der North Carolina State University gedacht und hat in den alten Daten tatsächlich etwas gefunden, das man für absolut ausgeschlossen hielt. Er hat entdeckt, dass es auf der Venus Vorläufer von tektonische Platten gibt, die sich gegeneinander bewegen – bislang ging man davon aus, dass die Plattentektonik der Erde etwas Einmaliges im Sonnensystem wäre und dass die Venus tektonisch gesehen ein komplett toter Planet sei, auf dem sich unter der Oberfläche absolut gar nichts bewegen würde. Ein bisschen anders als auf der Erde verläuft die Venus-Tektonik aber schon. Paul Byrne richtete sein Augenmerk auf sogenannte Campi – auf Deutsch “Felder”. Das sind bis zu tausend Kilometer große Flachlandregionen auf der Venus, die von tektonischen Rissen umgeben sind.

Eisschollen"-Tektonik auf der Venus - wissenschaft.de
Campi-Landschaft auf der Venus

Diese Campi interagieren nicht so extrem wie Kontinentalplatten auf der Erde. Es gibt beispielsweise keine Subduktion auf der Venus, das heißt, Platten schieben sich nicht untereinander. Man könnte sich diese Campi eher wie Eisschollen in einem arktischen Ozean vorstellen. Sie bilden zwar insgesamt durchaus eine Einheit, aber hier und da gibt es Risse zwischen den Schollen und dort reiben und prallen sie dann aneinander. In den Forschungsergebnissen von Paul Byrne heißt es dazu:

“Unsere Beobachtungen sprechen dafür, dass jeder der identifizierten Blöcke im Laufe der Zeit einige seitliche Bewegungen durchlaufen hat. Sie zeigen Anzeichen dafür, dass sie sich gedreht und/oder relativ zueinander seitlich verschoben haben – ähnlich wie sich anrempelnde Schollen im Packeis.”

Paul Byrne

Stellt sich nur die Frage, was die Ursache für die Venustektonik ist. Auf der Erde werden die Kontinentalplatten von Prozessen im Erdinneren angetrieben. Durch aufsteigende Magmaströme, sogenannte Plumes, aus dem Erdmantel kommt es in den Zonen zwischen den tektonischen Platten zu heftigem Vulkanismus und Verwerfungen. Und durch die sogenannte Mantelkonvektion, also durch Aufsteigen von geschmolzenem Gestein aus dem Erdinneren, das dann im oberen Erdmantel wieder fest wird, findet eine beständige  Bewegung der Erdplatten auf dem Erdmantel statt. Auf der Venus läuft das wohl ähnlich ab, wenn auch in etwas abgeschwächter Form. Paul Byrne sagt dazu:

„Auf der Erde wird die Plattentektonik durch Konvektion angetrieben. Eine Variante davon scheint auch auf der Venus zum Tragen zu kommen. Dort werden zwar keine großen Gebirgszüge oder gigantischen Subduktionszonen erzeugt, aber auch ihre subtileren Veränderungen der Oberfläche gehen auf interne Mantelströmungen zurück. Dass dies auf der Venus im globalen Maßstab stattfindet, ist zuvor noch nicht nachgewiesen worden.“

Paul Byrne

In einigen Jahren werden wir vermutlich noch mehr über unseren rätselhaften Nachbarplaneten erfahren. Die NASA plant zwei neue Missionen mit den Namen Veritas und DAVINCI+, die zwischen 2028 und 2030 starten sollen. Veritas soll sich auf eine genauere Untersuchung der Venusoberfläche fokussieren und durch eine hochauflösende Radarkartieurng der Venusoberfläche herausfinden, was mit dem Wasser passiert ist, von dem man vermutet, das es früher auf der Venus existierte.

VERITAS: Exploring the Deep Truths of Venus
Die NASA-Sonde Veritas soll neue Erkenntnisse über die Venus liefern

Durch diese Radar- und Infrarotmessungen werden wir dann vielleicht auch mehr über die tektonischen Aktivitäten auf der Venus herausfinden. Der Fokus von DAVINCI+ hingegen soll eher auf der Venusatmosphäre liegen. Die Raumsonde hat eine kleinere Atmosphärensonde dabei, die dann genaue Untersuchungen der Venusatmosphäre anstellen soll und auf der Oberfläche landen wird und uns im Optimalfall von dort Bilder schickt. Dies gelang bisher nur im Rahmen der sowjetischen Venera-Missionen.

Mehr Informationen zu den tektonischen Prozessen auf der Venus gibt es in diesem Video von Astro-Comics TV:

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