Asteroid Bennu – wie hoch ist die Gefahr?

Ein Einschlag des gefährlichen Asteroiden Bennu ist wahrscheinlicher als gedacht – das zeigen neue Forschungsergebnisse der NASA. 

Am 11.09.1999 bekamen die Forscher des Massachusetts Institute of Technology einen kleinen Schock, denn sie entdeckten an diesem Tag den Asteroiden Bennu. Bennu ist 492 Meter groß und besitzt damit für einen Asteroiden beachtliche Ausmaße. Hinzu kommt der Fakt, dass Bennu eine sehr erdnahe Umlaufbahn besitzt und uns immer wieder bedrohlich nahe kommt.
Wenn Bennu einschlagen würde, hätte das heftige Konsequenzen. Es käme zwar nicht zu einem globalen Massenaussterben wie beim Einschlag des Asteroiden, der letztlich zum Niedergang der Dinosaurier führte, aber es wäre dennoch ein absolut zerstörerisches Ereignis. Ein Einschlag von Bennu würde die Energie von 1,1 Milliarden Tonnen TNT freisetzen. Das wäre etwa zwei Millionen mal stärker als die Explosion im Hafen von Beirut, die im Jahre 2020 ganze Teil der Stadt zerstörte. Würde Bennu einschlagen, könnte dies also ganze Staaten zerstören und – je nach Einschlagsort – mehrere Millionen Menschen gefährden. Bennu wird als „potenziell gefährlicher Asteroid“ eingestuft, was bedeutet, dass er größer als 140 Meter ist und sich der Erde theoretisch bis auf 4,65 Millionen Kilometer nähern könnte.

Der Asteroid Bennu ist gut erforscht und vollständig kartiert


Dass er uns so nahe kommt, hat aber auch Vorteile. Man hat Bennu wegen seiner Erdnähe als Ziel der sogenannten Osiris-REX-Mission ausgewählt, bei der eine Sonde den Asteroiden genau kartiert und eine Probe seiner Oberfläche genommen hat. Die Probe befindet sich noch auf dem Weg zurück zur Erde und wird im September 2023 hier ankommen. Die Daten, die Osiris-REX über Bennus Umlaufbahn sammelte, hat man indes schon vorliegen und ein Forscherteam der NASA hat diese nun genau ausgewertet. Die beteiligte Forscherin Kelly Fast sagt dazu: “Die OSIRIS-Rex-Mission hat uns eine außerordentliche Chance geboten, genauer vorherzusagen, wo Bennu sein wird, wenn er der Erde in mehr als einem Jahrhundert nahekommt.

Das Ergebnis ist etwas erschreckend. Im Jahre 2135 wird Bennu der Erde sehr nahe kommen. Er wird dann sogar näher an uns dran sein als unser Mond. Ein Einschlagsrisiko besteht bei dieser Annäherung aber wohl nicht. Doch wenn Bennu der Erde so nahe kommt, kann die Schwerkraft unseres Planeten ihn so beeinflussen, dass er seine Umlaufbahn ändert und beim nächsten Rendezvous mit der Erde dann einschlägt.

Darstellung von Osiris-REX im Flug über Bennu

Ob das passiert, hängt davon ab, ob Bennu im Jahre 2135 bestimmte Positionen nahe der Erde durchfliegt. Die NASA-Forscher bezeichnen diese Positionen als Schlüssellöcher – also Stellen im erdnahen Raum, in denen die Erdschwerkraft den Brocken auf Kollisionskurs lenken könnten. Mit den Daten von Osiris-REX haben die NASA-Forscher genau ausgerechnet, wie viele solche Gravitations-Schlüssellöcher es gibt, wie hoch jeweils die Wahrscheinlichkeit ist, dass Bennu sie durchfliegt und wie sich das auf die Chance eines Einschlags auswirkt. Das Ergebnis: Es gibt 26 solcher Schlüssellöcher und Bennu wird 24 davon mit hoher Wahrscheinlichkeit verfehlen. Zwei könnte er passieren und das könnte ihn auf eine Bahn lenken, die zu einem Einschlag im Jahre 2182 führen könnte. Der wahrscheinlichste Tag für einen Einschlag ist der 24.09.2182.

Steht am 24.09.2182 eine Katastrophe bevor?


Muss man nun Angst haben? Nein. Denn die neuen Berechnungen zeigen, dass trotz allem die Wahrscheinlichkeit für einen Einschlag am 24.09.2182 bei 0,057 Prozent liegen. Trotzdem ist es wichtig, dass wir Bennu weiter im Auge behalten und etwaige Veränderungen berechnen können. Selbst Kleinigkeiten können etwas ausmachen. Das sieht man zum Beispiel am sogenannten Yarkovsky-Effekt. Der Yarkovsky-Effekt beschreibt den Umstand, dass eine Seite eines Asteroiden stärker aufgeheizt wird als die andere, je nachdem wo gerade das Sonnenlicht einfällt. Durch die unterschiedliche Aufheizung kann sich dann auch die Umlaufbahn des Asteroiden verändern. NASA-Forscher Steve Chesley hat anhand der Osiris-REX-Daten diesen Effekt auf Bennu ausgerechnet und sagt: „Der Yarkovsky-Effekt auf Bennu entspricht etwa der Masse von drei Weintrauben. Das ist unglaublich wenig, aber signifikant, wenn es um das Einschlagsrisiko einige Jahrzehnte bis Jahrhundert in der Zukunft geht.“ 

Die NASA hat Osiris-REX auch ausrechnen lassen, ob die Mission selbst, also vor allem das Nehmen der Bodenprobe die Bahn von Bennu verändert hat und konnte glücklicherweise feststellen, dass dies nicht der Fall war. Die Bahn von Bennu hat sich durch die Osiris-REX-Mission nicht verändert.

Weitere Informationen zum gefährlichen Asteroiden Bennu erhaltet Ihr in diesem Video von Astro-Comics TV:

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