Aus Versehen: Nördlichste Insel der Welt entdeckt!

Mitten in der rauen arktischen Wildnis hat ein Forscherteam die nördlichste Insel der Welt entdeckt. 

Die Arktis. Eine lebensfeindliche Umgebung, geprägt von Kälte, Eis und Stürmen. Und ihr Zentrum ist der Nordpol. So weit, so einfach. Aber wie definiert man eigentlich den Nordpol? Kommt drauf an, nach welchen Kriterien man vorgeht. Man unterscheidet zwischen dem geographischen und dem magnetischen Nordpol. Während sich der geografische Nordpol genau am nördlichen Ende der Erdachse befindet, also dort wo man ihn auch als außenstehender Beobachter mit bloßem Auge vermuten würde, ist der magnetische Nordpol dort, wo die Kompassnadel hinzeigt. Diese beiden Pole haben nicht die gleichen Koordinaten und befinden sich mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt. 

Die Polarregion aus Richtung der Erdachse

Die Feldlinien des Erdmagnetfeldes, das hauptsächlich durch Effekte im flüssigen Erdkern hervorgerufen wird, münden im magnetischen Nord- und Südpol – und diese magnetischen Pole wandern. Der Grund dafür liegt im Inneren der Erde versteckt, wo sich 5.000 Grad heiße Magma ständig hin und her wälzt und in Bahnen strömt, die magnetisch aufgeladen sind. Kurz gesagt: Da die magnetischen Pole durch aktive Prozesse im Erdinneren beeinflusst werden, bewegen sie sich – die geographischen Pole hingegen sind fest definiert und bleiben immer an Ort und Stelle. 

Wenn man im Bezug auf Landmassen von nördlich und südlich spricht, meint man meistens ihre geographische Position und nicht ihre magnetische. Und nun haben dänische Forscher tatsächlich die nördlichste Insel der Welt gefunden, also die Insel, die am allernächsten am geographischen Nordpol gelegen ist. Große Teile der Arktis bestehen nicht aus Landmasse sondern lediglich aus Eis, das auf dem Ozean schwimmt. Es stellt sich also die Frage, welches Stück Festland am nächsten am Nordpol dran ist. Bisher hielt man die Insel Oodaaq für das nächste Landstück am Nordpol. Oodaaq ist ungefähr fünfzehn mal acht Meter groß und befindet sich im äußersten Norden Grönlands. Genau dort, im Norden Grönlands, gab es nun eine Expedition dänischer Forscher von der Universität Kopenhagen. Ihr eigentliches Ziel war das Studium der extremen Umwelt vor Ort und das Entnehmen von Bodenproben. Bei einem Helikopterflug entdeckten sie aber plötzlich ein interessantes Stück Land und landeten darauf. Der Geowissenschaftler Morten Rasch von der Universität Kopenhagen beschreibt das, was dann geschah, so: 

„Wir waren davon überzeugt, dass die Insel, auf der wir hier standen, Oodaaq sei – das bisher als nördlichste Insel der Welt registrierte Landstück. Aber als ich dann Fotos der Insel und ihrer Koordinaten in den sozialen Medien veröffentlichte, waren eine Reihe amerikanischer Inseljäger ganz aufgeregt und sagten, dass das nicht sein könne.“

Morten Rasch

Das dänische Forschungsteam kontaktierte daraufhin einige Vermessungsexperten, die nachgeschaut haben, was für ein Stück Land da tatsächlich betreten wurde. Und tatsächlich: Es war nicht die Insel Oodaaq, es war eine bisher noch unbekannte Insel, die noch nördlicher liegt. Die nördlichste Insel der Welt.

GeoGarage blog: Greenland expedition discover 'world's northernmost island'
Morten Rasch auf der von ihm entdeckten Insel – © Morten Rasch

Doch wie entdeckt man aus Zufall das nördlichste Stück Festland des Planeten?. Es handelte sich um einen GPS-Fehler, der das Team glauben ließ, sie würden auf auf der Insel Oodaaq landen. Wie so oft in der Forschungsgeschichte hat also mal wieder ein Fehler oder ein Versehen zu einer neuen großartigen Entdeckung geführt. Die neu entdeckte Insel wurde von den Forschern auf den grönländischen Namen Qeqertaq Avannarleq“ getauft. Übersetzt heißt das “nördlichste Insel”. Die Insel ist sechzig mal dreißig Meter groß und ragt drei bis vier Meter aus dem Meer und sie liegt 780 Meter weiter nördlich von der Insel Oodaaq, ist also die eindeutige Rekordhalterin.

Warum wurde die Insel erst jetzt entdeckt? Man sollte meinen, dass durch moderne Satellitentechnik selbst der letzte Fleck unseres Planeten kartiert und bekannt ist. Deswegen liegt die Vermutung nahe, dass Qeqertaq Avannarleq noch nicht so lange existiert. Möglicherweise wurde die Insel bei einem heftigen Sturm durch Anhäufung von Geröll auf dem Meeresgrund erst vor relativ kurzer Zeit gebildet. Daher erscheint es möglich, dass sie auch nicht für immer bestehen bleibt. Vielleicht ist also die nördlichste Insel der Welt jetzt schon wieder vom Verschwinden bedroht. Morten Rasch sagt:

„Keiner weiß, wie lange die Insel bestehen bleibt. Im Prinzip könnte sie schon beim nächsten starken Sturm wieder verschwinden.“

Morten Rasch

Für noch mehr Informationen über die nördlichste Insel der Welt und ihre verrückte Entdeckung schaut euch dieses Video von Astro-Comics TV an:

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