Google Maps: „Loch“ im Ozean sorgt für Diskussionen

Ein rätselhaftes Loch mitten im Ozean verwirrt seit einigen Tagen das Internet. 

Es kommt immer wieder vor, dass eine Kuriosität bei Google Maps entdeckt wird, über die das Internet wochenlang diskutiert. Vor einigen Monaten entdeckte jemand beispielsweise zwei tanzende Außerirdische in der Mojave-Wüste in den USA. Haben hier extraterrestrische Besucher eine Botschaft im Wüstenboden hinterlassen? Nein, die in den Boden geritzten Kunstwerke stammen sehr wahrscheinlich von den Vorfahren der heute lebenden Mojave-Indianer. Eine andere mysteriöse Entdeckung war eine scheinbar versunkene Stadt im Meer. Hat hier jemand tatsächlich Atlantis auf Google Maps entdeckt? Eine einstmals florierende Stadt, die von den unbarmherzigen Fängen des Ozeans für immer verschluckt wurde? Nicht ganz. Es handelt sich um die britische Leuchtturmanlage Horsburgh Lighthouse auf der kleinen Inselgruppe Pedra Branca, die heute zu Singapur gehört, obwohl sie auch von Malaysia beansprucht wird. Der Anschein, dass die Gebäude unter Wasser liegen würden, ist also nur eine optische Täuschung.

Einige Leute sehen hier Aliens und eine versunkene Stadt

Und nun ist in dem sozialen Netzwerk Reddit wieder eine große Diskussion um einen Google Maps Schnappschuss entbrannt, auf dem scheinbar ein Loch mitten im Ozean zu sehen ist. Die Koordinaten sind -10.063277147623694, -152.3110748949069. Diese müssen bei Google Maps eingegeben und die Satelitenansicht eingeschaltet werden.

Ein „Abfluss“ im Ozean? © Google Maps

Worum könnte es sich hier handeln? Vertiefungen innerhalb der Meere sind grundsätzlich möglich. Der Fachbegriff dafür ist Blue Hole und dieses Phänomen kommt vor allem in küstennahen Riffen vor. Bekannt ist das Blue Hole nahe Dahab im ägyptischen Roten Meer, ein sehr beliebter Platz zum Tauchen, da dieses Loch im Riff eine unterirdische Verbindung zum offen Meer aufweist. Der Eingang befindet sich in über 100 Meter Tiefe und insgesamt ist der Tunnel, den man The Arch nennt, 26 Meter lang. Offiziell sind schon über 130 Taucher bei dem Versuch umgekommen, durch diese Verbindung hindurch zu tauchen, inoffiziell geht man von über 300 aus. Das ägyptische Blue Hole ist damit der Tauchplatz mit den meisten tödlich verunglückten Tauchern weltweit. 

Das Blue Hole im ägyptischen Roten Meer

Geologisch gesehen handelt es sich bei diesen Blue Holes um sogenannte Dolinen. Eine Doline ist eine Senke im Erdboden und kommt häufig auch an Land vor. Es kann geschehen, dass diese Dolinen dann mit Wasser gefüllt werden – so ist beispielsweise der bekannte Rote See in Kroatien entstanden, eine sogenannte Einsturzdoline. Bei den Blue Holes handelt es sich also um ozeanographische Dolinen. Aber was ist denn nun mit dem rätselhaften Google-Maps-Foto? Ist das eine Ozean-Doline, ein Blue Hole? Sieht auf den ersten Blick so aus, aber wie so oft, täuschen unsere Augen uns hier. Die Wahrheit ist verblüffend: Es handelt sich gar nicht um ein Loch. Es ist eine kleine Insel mit dichter Vegetation. Wenn man das Foto stark vergrößert, kann man die Waldgrenze erahnen. Es handelt sich um die sogenannte Vostok-Insel, die zum Südseestaat Kiribati gehört. Kiribati ist ein kurioser Staat, denn er besteht aus dutzenden kleinen Inseln, die zwar allesamt nicht besonders groß sind, aber über eine gigantische Fläche verteilt sind.

Eine der vielen Inseln des Südseestaates Kiribati ist das Vostok-Atoll

Das führt dazu, dass Kiribati der einzige Staat auf der Welt ist, der sich über alle vier Hemisphären erstreckt. Durch den Staat verläuft der Äquator und der 180. Längengrad – Kiribati liegt damit sowohl in der nördlichen, südlichen, westlichen und östlichen Sphäre der Erde. Und eine dieser abgelegenen Inseln ist ebene das kleine Vostok-Eiland, eine sogenannte Koralleninsel. Die Insel wurde im Jahre 1820 vom deutschen Kapitän Fabian Gottlieb von Bellingshausen entdeckt, der allerdings für die russische Marine segelte und der Insel daher den russischen Namen Vostok verlieh. Die Insel ist nur 700 mal 600 Meter lang und völlig unbewohnt. Durch die fehlende menschliche Besiedlung und den dichten Urwald sieht es von oben so aus als wäre die Insel komplett Schwarz und ein Loch im Ozean. Man könnte also sagen, dass das Internet von dieser kleinen Insel ziemlich reingelegt wurde.

Noch mehr Informationen zu dem “Abfluss” im Ozean erhaltet Ihr in diesem Video von Astro-Comics TV:

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